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Tote Tiere 4
Kröte, Frosch, Molch, Salamander

Im hiesigen Volksglauben werden Kröten zu den hässlichsten
Tieren gezählt. Sie wurden als Vermummungen von Hexen
und sogar vom Teufel gedeutet. Umgekehrt sollte das vermutete
Gift in der Haut der Kröte bei "fachmännischer Anwendung" ein
hervorragendes Heilmittel sein. Verbrannte Kröten und die fein
gemahlene Asche derselben war ein beliebtes Heilpulver, das auf
Wunden aufgebracht werden sollte.

Im germanischen Volksglauben waren Kröten Seelentiere und
durften im Keller leben, da man den Tieren neben den bösen
auch segensreiche Eigenschaften zusprach.
Alte Kröten wurden als Hausgeister lebend im Glas gehalten,
um so ihre Dienste erbringen zu können.
Als im Keller lebende Hausgeister waren die Tiere zwar willkommen,
trotzdem wurden einzelne Tiere immer wieder getötet und getrocknet.
Noch bis um 1900 war es auch in unserem Raum Brauch, eine am
Pfingstsonntag gefangene Kröte zu erschlagen, zu trocknen und im
Kuhstall aufzuhängen oder an die Stalltüre zu nageln.
Solche Tiermumien sollten den Tieren Schutz bieten.

Beliebt war es auch, den getrockneten Kadaver in einem Leinen-
säckchen zu verbergen, um diesen wichtigen Hausgeist vor Raub
zu schützen. Als lebende Bauopfer wurden Kröten eingemauert
oder unter der Türschwelle
eingeschlossen.
Dass dabei hin und wieder ein Frosch anstelle einer Kröte
erschlagen und getrocknet, oder lebend eingemauert wurde,
lag vermutlich am mangelnden Wissen um diese Tiere.





In der Volksheilkunde des ausgehenden Mittelalters und der frühen
Neuzeit tauchen im Volksglauben Kröten als Symbole für die Gebär-
mutter auf, und noch im 19. Jh. galt die Kröte als Volksheilmittel
gegen Krebsgeschwüre.
Dabei spielten zwei Faktoren eine Rolle.
Erstens das hässliche Aussehen der Hautoberfläche, und zweitens
wurde zu dieser Zeit immer noch die Krankheit Krebs als ein Tier
im Körper angesehen, das mit der Kröte verglichen wurde.

(Textquelle: Gunter Altenkrich "Volks- und Aberglauben", Saarbrücken 2017)